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Motorradfahren im Pulk
Autor: Rechtsanwalt Fachanwalt für Strafrecht und Verkehrsrecht Dr. Henning Hartmann

Achtung, Motorradfahrer: Beim Fahren im Pulk kann die Versicherung des Auffahrenden leistungsfrei sein, wenn alle Beteiligten in einem sogenannten Pulk fuhren. Dann wird nämlich von einem Haftungsverzicht (auch desjenigen, dem aufgefahren wurde) ausgegangen.

Das OLG Frankfurt (Main) hatte am 18. August 2015 eine Konstellation zu entscheiden, in der mehrere Motorradfahrer auf der Landstraße in wechselnder Reihenfolge in einem Pulk fuhren. Dies geschah ohne Einhaltung des Sicherheitsabstandes.

Wie das Gericht(A.Z.: 22 U 39/14) ausführte, führte diese Situation zu einem Haftungsausschluss. Zwar sei bei mehreren Unfallbeteiligten grundsätzlich eine Verursachung des Auffahrenden indiziert. Etwas anderes kann aber gelten, wenn alle Beteiligten einvernehmlich in Kolonne fahren, ohne den Sicherheitsabstand einzuhalten. Auch bei Unterstellung, dass der Sturz des hier klagenden maßgeblich durch die Kollision mit dem Fahrzeug des Beklagten (der ebenfalls in dem Pulk fuhr) entstanden ist, was grundsätzlich zu einer Haftung gemäß § 7 StVG führen würde, wäre die Haftung des Beklagten wegen eines stillschweigend vereinbarten Haftungsverzicht für Gefährdungshaftung und leichte Fahrlässigkeit ausgeschlossen. Dies vor dem Hintergrund, dass alle Beteiligten in dem Pulk beieinander gefahren sind und bewusst auf die Einhaltung des Sicherheitsabstandes verzichtet haben.

Das Fahren in einer Gruppe von mehreren Motorradfahrern kann daher die Folge haben, dass ein Verzicht (stillschweigend) auf eventuell eintretende Schadensersatzforderungen das Resultat ist.

Weitere Informationen zum Thema unter: http://www.ra-hartmann.de/motorradfahren-im-pulk-haftungsausschluss-dr.-hartmann-partner.html






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Wenn Sie sich aber nicht anwaltlich vertreten wollen, etwa weil sie nicht im Besitz einer Verkehrsrechtsschutzversicherung sind, gebe ich zum folgenden Rat: zunächst, davon war oben schon die Rede, sollten keinerlei Angaben zum Sachverhalt gemacht werden. Hierdurch können sie nicht gewinnen, sondern nur verlieren. Es ist aber Ihr gutes Recht, den Tatvorwurf zu bestreiten. Das hat auch nichts mit einer“ Lüge“ zu tun, denn niemand kann gezwungen werden, zu seiner eigenen Verurteilung beizutragen. Auf Deutsch gesagt: der Beschuldigter ist, darf die Unwahrheit sagen!. (Etwas anderes gilt, wenn sie als Zeuge befragt werden). Auch können sie ohne anwaltliche Hilfe selbstverständlich die Einstellung des Verfahrens beantragen. Hier hilft es nach meiner Erfahrung, wenn durch die Benennung der entsprechenden Rechtsgrundlagen, sowie gegebenenfalls von Rechtsprechung zu dem in Rede stehenden Beweismittel (Geschwindigkeitsmessgerät oder Ähnliches) der betroffene Bürger zeigt, dass er bereits gut informiert ist. Denn sie dürfen nicht vergessen: die Behörde muss Ihnen beweisen, dass ein Verstoß vorliegt, wenn also von Seiten der Behörde erkannt wird, dass dieser Nachweis schwierig wird oder gar nicht gelingt, ist in vielen Fällen eine Verfahrenseinstellung erzielbar.

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